Exkursion V  -  26.09.2015    -   Aschaffenburg

Die letzte Exkursion 2015 führte uns nach Aschaffenburg.

Diese Stadt hat eine sehr lange Geschichte. Ausgrabungen ergaben, dass sie bereits zur Zeit der Völkerwanderung besiedelt wurde, denn die ersten Funde datieren aus dem 3. Jahrhundert. Wahrscheinlich bestand seit dem 4. Jh. auf dem späteren Stiftsberg bereits eine Siedlung. Herzog Liudolf von Schwaben - ein Sohn Otto des Großen -  gründete 975 das Aschaffenburger Stift St. Peter, dem heutigen St. Peter und Alexander. Durch Schenkung des Kollegialstifts an Erzbischof Willigis von Mainz wird die Entwicklung des bereits 975/76 als Stadt bezeichneten Ortes festgelegt. 987/989 ließ er die erste hölzerne Brücke über den Main errichten; dies war bestimmend für den Siedlungscharakter.1122 wurde durch Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken die Siedlung neu befestigt. Im 12. Jh. erhielt Aschaffenburg Markt- und Stadtrecht und 1155 auch die Münzerlaubnis. Der Ort erweiterte sich im 14./15. Jh. durch die Einbeziehung der Vorstädte St. Agatha, der Fischersiedlung und des Bezirks nördlich der Burg.
Als Zweitresidenz der Mainzer Erzbischöfe/Kurfürsten wurde die Stadt ab dem 13./14. Jahrhundert eine der relevantesten Bastionen des Erzbistums, namentlich seit Werner von Eppstein (1259-84). Aschaffenburg wird eine der wichtigsten Städte des Hochstifts; sichtbarer Ausdruck der prunkvolle Schlossbau (1605 - 1614).
Nach einem vorübergehenden Provinzdasein im 17. Jh. erlangte die Stadt wieder neue Bedeutung unter Friedrich Carl Joseph von Erthal (1774 - 1802). Bei der Besetzung von Mainz durch die französische Revolutionsarmee wird Aschaffenburg Hauptresidenz der Mainzer Kurfürsten.
1814 wurde die Stadt Bayern zugesprochen.

Das Resümee am Ende des Tages: um all die Schätze dieser Stadt in Unterfranken zu erfassen, benötigt man wesentlich mehr Zeit als nur einen Tag.
Da ist zunächst das Schloss Johannisburg, das, oberhalb vom Main, mitten in der Stadt liegt. Da wird schnell klar: es diente einst nur zur Repräsentation, nicht zur Verteidigung. Es war die ehemalige Residenz der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten.

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 Schloss Johannisburg  Schloss Johannisburg  

Früher befand sich auf den Areal eine Burg. Die älteste Erwähnung ist 1122 als „castrum antiquum“; aus dem 16. Jh. sind zwei Ansichten überliefert. Es ist eine spätgotische Anlage, von ungefähr der gleichen Größe wie das heutige Schloss. davon ist heute nur noch der Bergfried aus dem 14. Jh. erhalten, der Anfang des 15. Jh, unter Erzbischof Johann von Nassau erhöht wurde.

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Schloss Johannisburg, Bergfried      Schlosskapelle, Kanzel

1552 wurde die Anlage weitgehend durch Markgraf Albrecht Alcibiades von Kulmbach-Bayreuth zerstört. Erst Erzbischof Johann Schweickard von Kronberg veranlasste den Neubau, der 1614 eingeweiht und 1615 bezogen wurde. Baumeister war der Straßburger Georg Riedinger, von Hans Juncker sind die Bildhauerarbeiten. Dieser Renaissancebau ist streng symmetrisch: vier Flügel um einen quadratischen Hof mit achtseitigen Treppentürmen in den Hofecken. Diese Symmetrie der Gesamtanlage wird nur von dem älteren Bergfried leicht durchbrochen. Somit gehört dieses Schloss zu den bedeutendsten Anlagen der deutschen Renaissance.
Das Schloss wurde 1944/45 weitgehend zerstört. Durch den Einsatz der Aschaffenburger Bürger konnte es nach alten Plänen wieder aufgebaut werden. Zunächst wurde das Äußere wieder hergestellt. Seit 1964 sind die Schauräume und die Sammlungen wieder eröffnet.
Wir widmeten uns bis zur Mittagspause der sehr reichhaltigen Gemäldesammlung auf Schloss Johannisburg, wobei - unserem diesjährigen Thema entsprechend - Gemälde der Renaissance im Mittelpunkt standen. An einigen herausragenden Beispielen konnten wir die Entwicklung der Landschaftsmalerei nachvollziehen, wie sich nämlich aus knappen Hintergrunddarstellungen ein neues Genre gebildet hat.  Als „Nebeninformation“ erfuhren wir von unserer Stadtführerin, dass es in der Renaissance anrüchig war, mit einer Gabel zu essen: sie galt als Teufelszeug!

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   Schlosskapelle, Altar    Schlosskapelle, Kanzel

Nach dem Mittagessen gab es eine Schlossführung, die mit der Schlosskapelle mit Renaissancealtar, Kanzel und Portalskulpturen aus Alabaster von Hans Juncker (1582 - 1624) begann. Auch diese Meisterwerke wurden durch das Bombardement im 2. Weltkrieg zerstört. Aus den Trümmern setzte man den Altar wieder zusammen, wobei nur die Christusfigur am Kruzifix komplett restauriert wurde, die Reliefs blieben unvollständig, „beschädigt“. Insgesamt ist es ein sehr beeindruckendes Monumentalwerk (9 m hoch, 32 Figuren bzw. Skulpturen, ca. 20 Engelsköpfchen, wobei jedes anders gestaltet ist), das in einer kurzen Schau mit entsprechenden Erklärungen vorgestellt wurde: dabei wurden die beschriebenen Teile separat angeleuchtet - sehr eindrucksvoll!

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 Schlossmuseum, Kork-Tischdekoration    Schloss Johannisburg

Die Besichtigung der fürstlichen Wohnräume ging relativ schnell vonstatten; Tapeten und Stuhlbezüge waren nach Originalmustern gewebt worden. Es gab auch Renaissanceschränke zu sehen mit ihren typischen Aufbauten, allerdings waren nicht alle Originalmöbel aus dem Schloss.

Eine sehenswerte Besonderheit ist die weltweit größte Sammlung von aus Kork angefertigten Architekturmodellen, die wir uns nicht entgehen ließen. Diese verblüffend detailgenauen Nachbildungen, die der Hofkonditor Carl May und sein Sohn Georg ab 1792 schufen, geben die berühmtesten Ruinen Roms wieder. Seit Mitte 1996 werden die restaurierten Modelle gezeigt. Diese Modelle dienten nur der Tischdekoration.
Nach einem kurzen Spaziergang durch die Altstadt mit hübsch restaurierten Fachwerkhäusern, erreichten wir die Stadtpfarrkirche St. Peter und Alexander, eine ehemalige Kollegiatstiftskirche, als einzige Kirche weltweit den Heiligen Petrus und Alexander (der 5. Papst nach Petrus, 105 - 115) geweiht. Ihre Ursprung geht auf die Gruftkapelle der Königin Liutgard 885 und auf Herzog Liudolf von Schwaben, gest. 957, zurück. Zur 1000-Jahr-Feier 1958 wurde sie von Papst Pius XII zur Basilica minor erhoben. Der Kernbau ist romanisch bis frühgotisch.

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 St. Peter und Alexander, Kreuzgang    St. Peter und Alexander, Kreuzgang

Die Kirche besitzt bedeutende Kunstschätze: u. a. der Hochaltar aus dem 18. Jh., eine Kreuzigungsgruppe von Hans Juncker, ein überlebensgroßes Holzkruzifix, vermutlich noch vor Ende des 10. Jh. geschnitzt, „Die Beweinung Christi“ von Mathis Nithart, genannt Grünewald - ein sehr ausdrucksstarkes Gemälde. Der spätromanische Kreuzgang ist gepflastert mit alten Epitaphen - über sie zu laufen ließ sich nicht vermeiden! Wunderschön sind die Kapitelle der Säulen - keines gleicht dem anderen. Gut sichtbar waren auch die Unterschiede zwischen Original und Restauration zu erkennen.
Voller guter Eindrücke, die wir bisher sahen und hörten, machten wir uns auf den Weg zum Bus, um im Park Schönbusch noch das trockene Herbstwetter bei einem Spaziergang zu genießen. Doch manchmal kommt es anders als man es erwartet: der Busmotor sprang nicht an - die Batterie war leer!! So entschlossen wir uns, in der Stadt ein Café aufzusuchen und die Zeit bis zur möglichen Heimfahrt hier zu überbrücken. es ging zwar schneller als gedacht, aber wir entschieden, uns den Besuch im Park für den nächsten Besuch in Aschaffenburg aufzuheben!
Gegen 19.15 Uhr waren wir wieder in Erlangen.