Arbeitgemeinschaft Kulturgeschichte

Mitglied der Freizeitgemeinschaft Siemens e.V.

Exkursion ll / 2015 – Renaissance in Neuburg Donau -
  Bergen Katholische Pfarrkirche und Wallfahrtskirche Hl. Kreuz - Burg Nassenfels


Die Pfalzgrafschaft Pfalz-Neuburg, auch als Herzogtum Pfalz-Neuburg bekannt, war ein selbständiges, 1505 entstandenes Territorium des Heiligen Römischen Reiches und staatsrechtlich eigentlich ein Fürstentum. Genealogisch war Pfalz-Neuburg die Bezeichnung mehrerer unterschiedlicher Linien der pfälzischen Wittelsbacher. Neuburg war Hauptort einer Pfalzgrafschaft bis 1685 – besonders bekannt unter dem Pfalzgrafen Ottheinrich, unter dem Neuburg die schöne, wohlerhaltene Stadtgestalt bekam.
Unter sehr lebendiger und kundiger Führung wurden wir zuerst an den zweifachen (früher dreifachen) Mauern des Stadtgürtels geführt. Gut erhalten hatten wir Aussicht an die Donau und zu den 2 sich öffnenden Toren.

  000Amalienstrae    003Bibliothek
  Amalienstraße mit Blick auf die Hofkirche    Provinzial Bibliothek, Stuckdecke

Wir erkundeten das Ensemble Obere Stadt. Sie dehnt sich über den gesamten, 20 m über der Donau aufragenden Jura-Rücken. Rückgrat und organisierende Achse des Stadtgrundrisses in diesem Kernbereich ist die Amalienstraße. Sie führt mitten durch die Obere Stadt. Angereiht bewundern wir ehemalige Bürgerhäuser – wie z.B. das sogen. Mozarthaus, das ehemalige Stadtgerichts- oder Syndikatshaus mit geschweiftem Volutengiebel, das ehemalige Chorstift-Kaplanhaus, eine ehemalige Schule, ein ehemaliges Adelspalais mit Volutengiebel, das Gasthaus zur Blauen Traube (dreigeschossiges Eckhaus mit Volutengiebel), die ehemalige Hofapotheke und weitere Bürgerhäuser, die im 16. Jahrhundert erbaut wurden. Z.T. sind sie direkt an die Stadtmauer gebaut.

     001Hofkirche          002Bibliothek
  Fassade der  ehemaligen Hofkirche, Karlsplatz   Provinzial Bibliothek, Fassade

Bedeutendster Regent in Neuburg war Pfalzgraf Ottheinrich (1502 – 1559): er verschaffte dem neuen Geist der Renaissance in Architektur und Kunst, Politik und Wirtschaft wie auch in seiner Residenz Geltung. 1522 begann Neuburgs glänzendste Zeit; es entstanden Residenzschloss, Hofkirche, Schlosskapelle. Außerdem führte Ottheinrich den neuen evangelischen Glauben in Neuburg ein.
Wir kamen zum Karlsplatz und besichtigten die Provinzialbibliothek, ein zweigeschossiger Eckbau mit reicher Fassadengestaltung mit Pilastern und Stuck. Die Bibliothek ist ein Gebäude des Frührokoko, sie ging aus der ehemaligen Martinskapelle hervor, einer der ältesten Kirchen Neuburgs. In der Gegenreformation hatten die Jesuiten sie zu einem Betsaal umgebaut. Fresken an der Decke stammen aus dieser Zeit. In dem ehemaligen Kongregationssaal (Betsaal) im Obergeschoss wurde die Bibliothekseinrichtung des Klosters Kaisheim eingebaut (Folge der Säkularisation). Die Bibliothek besitzt als Sonderbestand 440 kostbare Inkunabeln.

  004Bibliothek   005Neuburg
    Rückseite der Provinzial Bibliothek
mit restaurierten Bürgerhäusern
  Schloss Neuburg, Innenhof

  Wir besichtigten auch am Karlsplatz die ehemalige Hofkirche „Zu Unserer Lieben Frau". 1607/08 erbaut, ein bedeutendes Bauwerk der Spätrenaissance. Eine mächtige Turmfassade mit Pilastern führt uns in das prunkvolle Innere der Hofkirche. Das Hauptschiff und je 2 Seitenschiffe, die nur leicht vom Hauptschiff seitlich abfallen, – mit 5 Jochen - leiten zum Chor, sodass eine Hallenkirche deutlich sichtbar ist. Zwischen den Jochen sind Emporen gespannt. Stuckierungen an Decke und Wänden sind aus der Bauzeit; der reich verzierte Hauptaltar, Seitenaltäre und die Kanzel sind im Barockstil zu bewundern.

Schließlich gehen wir zum Schloss. Erste Anfänge des Baues stammen aus dem 13. Jahrhundert; Pfalzgraf und erster Landesfürst Ottheinrich ließ dem mächtigen Schloss als Residenz drei anspruchsvolle Renaissancetrakte um 1530 völlig neu anbauen. Die mächtige Westfassade mit den zwei markanten Rundtürmen führt durch ein Tor zu dem Innenhof und öffnet den Blick zu 4 Gebäuden. Zweigeschossige Laubengänge sind an 3 Seiten angebracht; an den Wänden betrachten wir die gut erhaltenen Sgraffitimalereien mit Motiven zu Themen aus dem Alten Testament. Die Terrasse mit den barocken „blauen Grotten“ bietet Aussicht auf die Donau.
Die Schlosskapelle – ein Renaissanceprunkstück - kann derzeit wegen Renovierungsarbeiten nicht besichtigt werden.
Im Hauptgeschoss des Ostflügels ist der neu konzipierte Museumstrakt "Das Fürstentum Pfalz-Neuburg" zu sehen. Das eindrucksvolle Panorama fürstlicher Geschichte entfaltet sich in den einstigen Wohn- und Staatsräumen der Pfalz-Neuburger Fürsten.
Rund 550 Kunstwerke – Porträts und wertvolle Bildteppiche, Waffen, Möbel und kostbares Kunsthandwerk – aus-bayerischer Geschichte besichtigen wir im zweiten Obergeschoss im Archäologie-Museum Schloss Neuburg.
Im Westflügel betrachten wir zahlreiche Werke bedeutender Meister wie Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck und Jan Brueghel. So beheimatet das Neuburger Schloss als Wahrzeichen der Stadt nach dem Prado in Madrid und der Alten Pinakothek in München die bedeutendste Sammlung flämischer Barockmalerei.

  007Bergen   009Nassenfels
   Bergen, Krypta der Wallfahrtskirche Hl. Kreuz   Burg Nassenfels

Wir besuchten – wieder auf dem Heimweg – die katholische Pfarrkirche Hl. Kreuz, die zugleich Wallfahrtskirche ist, in Bergen.
Gewaltige Ausmaße einer mittelalterlichen Klosterkirche aus dem 12 Jahrhundert zeugen von blühendem Erfolg der Benediktinerinnen. Der Orden wurde 1552 auf Geheiß von Ottheinrich (er war evangelisch) aufgelöst, allerdings übernahmen Jesuiten wieder den Klosterbetrieb (1618 wurde Pfalz-Neuburg wieder katholisch). Das Kloster entwickelt sich zum Wallfahrtheiligtum.
Der Turm war ehemals ein Bergfried, nun ein Campanile. Mit Turm und Apsiden (im Rundbogenfries Tier- und Menschenköpfe) sowie einem fast verborgenen Portal einzige offensichtliche Merkmale des romanischen Ursprungs der Kirche.
In der Krypta, dem frühesten Raum der Kirche (1095 geweiht), betrachten wir 10 Säulen; 8 davon mit Würfelkapitelle. Dagegen im SW 1 Kelch-Kapitell mit 4 Blättern und im SO 1 Kapitell, welches keinem romanischen Typus folgt: 4 plastische, 7-fach gewundene Spiralen. Im südlichen Seitenraum: Grabstein einer früheren Äbtissin. Auf dem Altar im Schaugehäuse: das Bergener Kreuzpartikelreliquiar. Im nördlichen Seitenraum: Brunnenanlage. : Brunnen wohl aus der Zeit vor der Klostergründung; gehörte wohl zu einer Burganlage.
Baugeschichte Innenraum: die ehemalige romanische Basilika ist riesig! Im Barock ab 1756 Entfernung der Säulen des Langhauses u. dessen Verlängerung um 1 Joch . Heute ist der Innenraum eine Saalkirche mit Doppelpilastern und mit einem Tonnengewölbe überspannt. Zahlreiche Deckengemälde weisen auf das Hauptthema: Kreuzauffindung und –verehrung. Altäre ebenfalls Bezug zum Hl Kreuz Patrozinium; besondere Kunstwerke: Schmerzensmutter von Joh Mich Fischer 1759, sowie Hochaltar Johann Michael  Fischer 1758 und Epitaph des Wilhelm von  Muhr v. Loy Hering 1536 Renaissance

Auf dem Heimweg besuchten wir noch Burg Nassenfels. Während der Ungarneinfälle des 10. Jahrhunderts könnten die Wälle der alten Befestigung zur Schutzburg ausgebaut worden sein. 1185 Erwähnung eines Arnold von Nassenfels als Eichstätter Ministerialer. Bischöfliche Dienstleute mit dem Namenszusatz von Nassenfels sind jedoch bereits seit 1198 nachweisbar.
Heutige Burg geht weitgehend auf die Ausbauten um 1300 und 1400 zurück. Bergfriederhöhung und Verstärkung der Burgmauern, 1400 Ausbau von Palas, Zwinger und Türmen. 1699 im Südosteck das Kastenhaus als Dienstgebäude des bischöflichen Kastners. Bis 1804 diente die Burg als Sitz der Eichstätter Amtsleute und Pfleger. Zuletzt als Internierungslager von französischen Kriegsgefangenen. 1932 brannte durch einen Blitzschlag das Kastenhaus mit seinen Stuckdecken nieder. Ein geplanter Wiederaufbau kam nicht zustande. Trotz der Abrisse und Verluste gilt die frühere Wasserburg noch als eine der bedeutendsten und eindrucksvollsten Burganlagen Bayerns.

Autor: E. Mikulaschek