Arbeitgemeinschaft Kulturgeschichte

Mitglied der Freizeitgemeinschaft Siemens e.V.

Exkursion II + lll / 2014 - nach Oberösterreich – ins Mühlviertel


Vom 25. bis zum 27. Juli begaben wir uns auf eine besondere Exkursion: ins Mühlviertel. Ab Straubing gings an der Donau entlang und Herr Witibschlager machte uns auf Bemerkenswertes unterwegs aufmerksam. Wir sahen das 1992 erbaute Kraftwerk Kachlet; es ist letzter Teil einer 28km langen Staustufe. Dann sahen wir unterwegs in der Drei-Flüsse-Stadt Passau (Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz) den barocken Dom St. Stephan. Im Dom steht die mit 208 Registern damals größte Orgel der Welt, verteilt auf fünf Teilorgeln, bis 1928 entstanden. Die fünf Orgeln bilden somit – gemessen an der Anzahl der Pfeifenreihen (333) – gemeinsam die größte Orgelanlage Europas, sowie die fünftgrößte Orgel der Welt.
Die Donau-Ufer-Straße heißt ab Passau „Nibelungenstraße“ bzw. „Straße der Kaiser und Könige“. Wir fuhren dort weiter und bewunderten das Wasserkraftwerk Jochenstein, ein Laufwasserkraftwerk in der Donau an der deutsch-österreichischen Grenze, betrieben hälftig für beide Länder.


Als erstes Ziel erreichten wir: Kloster Engelszell

Das Stift Engelszell (Cella Angelorum) ist eine Trappistenabtei in der Nähe des Ortes Engelhartszell im Innviertel in Oberösterreich und das einzige Trappistenkloster in Österreich. Das Stift wurde 1293 durch Bischof Bernhard (Wernhart) von Prambach gegründet und 1295 vom Zisterzienserorden besiedelt. Zum Stift gehört eine Rokoko-Kirche. Sie wurde 1754 bis 1764 erbaut und ist mit wertvollen Kunstwerken von Johann Georg Üblher, Joseph Deutschmann und Bartolomeo Altomonte ausgestattet. - 1925 fanden die aus der elsässischen Abtei Oelenberg vertriebenen Trappisten in Engelszell ihr neues Zuhause. Die Trappisten sind ein römisch-katholischer Mönchsorden, entstanden als Reformzweig innerhalb des Zisterzienserordens.

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Unsere Mittagspause legten wir an der Schlögener Schlinge ein. Dies ist eine Flussschlinge etwa auf halbem Weg zwischen Passau und Linz. Der Fluss bahnte sich seinen Weg durch das böhmische Massiv. Der Durchbruch erfolgt in mehreren Mäandern.
Zur Römerzeit war Schlögen Standort eines Kastells. Wir besichtigten die Reste des Kleinkastell „Ioviacum“, erbaut 130 n.Chr. Es bestand bis ins 5. Jh. n. Chr. Eine Flotteneinheit der II. italienischen Legion unter dem Kommando eines Legionspräfekten (Offizier) lebte hier. Nahegelegen wohnten im Lagerdorf (vicus) die Lieferanten des Kastells.

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Auf dem Weg ins Mühlviertel besichtigten wir kurz die St. Wolfgangs-Kirche in Pupping
Im Jahre 994 starb dort der Heilige Wolfgang. Der Leichnam des Heiligen wurde nach Regensburg übergeführt und dort beigesetzt. Herz und Eingeweide des Heiligen sollen in der St. Othmar-Kapelle in Pupping bestattet worden sein, an deren Stelle später die Wolfgangskirche erbaut worden ist.
Ein Kloster für Franziskanermönche wurde 1477 gegründet. Nach vielerlei Wirren wurde Kloster und Kirche im Jahr 1801 abgerissen  1879 wurde die Kirche im neuromanischen Stil als Wallfahrtskirche zum hl Wolfgang wieder aufgebaut.

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Weiter ging es auf der Nibelungenstraße zum Zisterzienser-Stift Wilhering
Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahre 985. 1146 erfolgte die Gründung des Zisterzienserklosters Wilhering durch die Herren von Wilhering. 1733 wurde das Kloster durch einen Brand fast vollständig vernichtet, doch in der Folgezeit unter Abt Johann IV. Baptist Hinterhölzl prachtvoll im Rokokostil neu wieder aufgebaut und somit eine der bedeutendsten Bauten des Rokoko im deutschen Sprachraum. Die Ausstattung des Innenraums der Stiftskirche erfolgte vermutlich nach einem Gesamtplan von Martino Altomonte, von dem auch der Hochaltar stammt. Deckengemälde und Altarbilder stammen von Bartolomäo und Martino Altomonte, der farbenreiche plastische Stuck und die Skulpturen von den Wessobrunner Meistern Johann Michael Feichtmayr und Johann Georg Üblhör.
Heute ist aus der Anfangszeit noch ein romanisches Portal erhalten sowie Teile des gotischen Kreuzgangs.

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Die Nibelungenstraße verließen wir und fuhren durch Linz. Beachtung fand der Blick zum Pöstlingberg mit der steil hinauf führenden Pöstlingbergbahn.
Schließlich erreichten wir Kefermarkt mit dem berühmten  Flügelaltar  in der Pfarrkirche St. Wolfgang. Der Altar zählt zu den Hauptwerken der Spätgotik im deutschsprachigen Raum. Er wurde zwischen 1490 bis 1497 von einem namentlich nicht bekannten Bildschnitzer geschaffen. Hervorragend sind die drei Hauptfiguren: Petrus, Wolfgang und Christophorus. Adalbert Stifter leitete in den Jahren 1852 bis 1855 die erste Restaurierung des Altars. Der Aufbau dieses Altars wurde im Laufe der Zeit mehrmals verändert, so ging die rückseitige Gestaltung der Flügel verloren. Letztere wurden 1684 in der heutigen Stellung fixiert. Außerdem fehlt die Predella. Das Gesprenge wurde später aus anderen Ausstattungsgegenständen zusammengesetzt und ersetzte das vorher dort stehende Kruzifix. Dieses ist nun an einer Kirchen-Seitenwand zu sehen.

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Nach einer Kaffeepause ging es nach Freistadt, unserer Übernachtungsstation.

Der Stadtrundgang erfolgte am nächsten Vormittag. Die Altstadt mit Stadtbefestigung und Wehrtürmen ist fast vollständig erhalten. Die ältesten Türme sind das Linzertor im Süden und das Böhmertor im Norden, die bereits bei der Stadtgründung 1220 von Herzog Leopold VI. am uralten Handelsweg (Salzstraße) zwischen Donau und Moldau angelegt wurden. Nach dem Ausbau der Stadtbefestigung wurden  zwischen 1363 und 1444 die Befestigungsanlagen mit dem Scheiblingturm komplettiert. Das heutige Aussehen erhielten sie zwischen 1485 und 1500. Seitdem besteht die Stadtbefestigung aus äußerer Stadtgrabenmauer, Stadtgraben, äußerer Stadtmauer, Zwinger und innerer Stadtmauer mit Wehrgang (z.T.).

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Weiter ins Mühlviertel: wir besuchten die gotische „Wegkirche“ Rauchenödt.
Neben der St. Michael-Kirche  sehen wir hier etwa die für das Mühlviertel so typischen Steinhöfe, in denen sich das Urgestein Granit manifestiert: Die großen, nur spärlich mit Kalk verputzten Steinhäuser zeigen ihr eigentliches Baumaterial.
Die Kirche wurde um 1510 gebaut .In der Kirche steht ein Flügelaltar von 1517, an dem im Laufe der Zeit kaum Änderungen vorgenommen wurden – leider ist der Meister unbekannt. Szenen aus dem Leben des hl. Michael werden an den vier Tafeln der Altar-Flügel dargestellt.

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Die Kirche steht auf einer Urgesteinskuppe, die eine Wasserscheide zwischen Donau(Schwarzem Meer) und Moldau(Nordsee) ist.  Nicht weit und ebenfalls auf der Wasserscheide gelegen befindet sich das „Wettershuttle“ des Künstlers Gerhard Eilmsteiner. Eine Riesenmaschine, die Regenwasser, das für die Donau bestimmt ist, in einer Granitschale auffängt und dann durch ihr Gewicht über einen Seilantrieb auf den Achsen zur anderen Seite bugsiert. Das Wasser wird also durch den Entleerungsmechanismus in den Zufluss zur Moldau gekippt. Das Kunstwerk fasziniert damit, dass ca. 15 Liter Regenwasser das 5 Tonnen schwere Fahrzeug in Bewegung setzt.  – Anschließend  fuhren wir zum Mittagessen in ein Gasthaus in Pieberschlag, vor dem ein weiteres Werk von Gerhard Eilmsteiner-steht: die wohl größte mechanische Uhr des Mühlviertels, sie  besteht aus Granit, Bronze und Stahl, und wird durch Wasserkraft angetrieben.  

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Das nächste Ziel war Sandl
Man spricht hier von der Mühlviertler Museumsstraße. Kleinhandwerker, Häusler, Müller, Schmiede, Hafner und Leinenfärber arbeiteten in Heimarbeit und zeigen dies nun in Museen. Wir besuchten in Sandl das Museum Hinterglasmalerei. Im 19. Jh. war Sandl Zentrum der Herstellung der „Sandlbilder“ (Heiligenbilder in Hinterglasmalerei). Das Museum informiert über die Tradition, Geschichte und Technik der Hinterglasmalerei.

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Weiter fuhren wir einem interessanten, historischen Ziel entgegen: zur Mühlviertler Pferdeeisenbahn nach Kerschbaum
Die erste öffentliche Eisenbahn Europas wurde im Jahre 1832 eröffnet. Diese fuhr in der damaligen Zeit zwischen dem tschechischen Budweis und Linz. 1836 wurde sie verlängert und fuhr somit bis Gmunden.
Seit 1996 fährt die Mühlviertler Pferdeeisenbahn wieder in der Gemeinde Rainbach. Auf einem halben Kilometer Schienenstrecke kann man noch einmal das Gefühl des „Reisens von einst“ erleben. Bei der Wiedererrichtung wurde besonders auf die historischen Grundlagen geachtet.
In den liebevoll renovierten Gewölbestallungen des ehemaligen Pferdebahnhofes ist das heutige Pferdeeisenbahn-Museum untergebracht. Fachkundiges Personal berichtete uns anschaulich über die Geschichte der Pferdeeisenbahn, die Technik und den Lebensstil der ersten Eisenbahner.

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 Nun wollten wir die  1335 errichtete gotische Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt in Rainbach besichtigen. Leider war diese geschlossen, sodass wir  die Kirchenfenster der Künstlerin Margret Bilger nur von außen betrachten konnten.

In Haslach ließen wir uns durch die Mechanische Klangfabrik führen.
Haslach war das ehemalige Zentrum der Leinenweberei und Leinölherstellung. Leinöl mit Kartoffeln war deshalb ein von uns bevorzugtes Mittagessen (dann in Schlägl). In Haslach dreht sich alles, bewegt sich alles und alles macht Musik in der Klangfabrik. Raritäten aus der Geschichte der mechanischen Musik werden hier ausgestellt und die Entwicklung der Musikinstrumente vom Barock bis zur Jetztzeit wird gezeigt. Insgesamt über 100 Exponate befinden sich hier; z.B.: Edison, Phonograph, Drehorgeln, Walzenspieldosen, automatische Klaviere und Akkordeons, Tanzorgeln, Orchestrien, mechanische Figuren, und noch vieles mehr.

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Als letztes Ziel besuchten wir das Stift Schlägl.
Der vom heiligen Norbert von Xanten 1218 gegründete Prämonstratenser-Orden lebt und wirkt hier. In der Stiftskirche Maria Himmelfahrt wurden wir in die romanische, gut erhaltene Krypta geführt. Die 3-schiffige gotische Basilika wurde 1626 barockisiert. Die Ausstattung der Kirche erfolgte in unterschiedlichen Perioden: Kreuzaltar (1756), Intarsienarbeiten am Chorgestühl (1740), schmiedeeisernes Chorgitter und Kanzel (1634 bzw. 1646).Die Kirche besitzt auch 3 Orgeln von denen die 1634 gebaute Putz-Orgel zu den bedeutendsten Orgeln Österreichs gehört. Ebenfalls zum Stift gehört eine neubarocke Bibliothek, die ca. 60.000 Bücher und zahlreiche Handschriften zu ihrer beeindruckenden Sammlung zählen darf. Eine umfangreiche Gemäldesammlung mit wertvollen gotischen Tafelbildern und eine Portraitsammlung fast aller Mitbrüder ab 1802, sind ebenfalls im Besitz des Stiftes.

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Nun galt es zum Ende einer interessanten, schönen Reise zu kommen. - Wir verließen die Mühlviertler Landschaft  und fuhren über Passau nach Hause.

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