Arbeitgemeinschaft Kulturgeschichte

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EXKU lll / 2015 – Lichtenau, Herrieden und Schillingsfürst

Die Festung Lichtenau wird erstmals 1246 als „Wasserburg“ erwähnt. Nach vielerlei Besitzerwechsel wird sie 1401 an die Reichsstadt Nürnberg verkauft und bleibt bis 1806 dort in Besitz als Bollwerk gegen die Markgrafschaft Ansbach. – 1558 bis 1630 wurden nach italienisch-holländischem Muster Zitadellen gebaut. So wurde die Festung eine (unregelmäßige) fünfeckige Anlage; an den Ecken die vorspringenden 5 Bastionen. Wir besichtigten im Obergeschoss und ein Geschoss tiefer die Kasematten, die zeitweilig Soldaten beherbergten, später aber auch Gefängnis waren. Besonders interessant war ein Eckturm mit gegenläufiger Doppelwendeltreppe -. Wir gingen durch das innere Tor, das die Motive frühbarocker Festungsarchitektur zusammenfasst: Buckelquader mit dorischer Pilasterordnung. Im offenen Dreieckgiebel von Voluten flankierendes Medaillon.

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  Festung Lichtenau, Inneres Tor    Festung Lichtenau, Zeughaus als Waffenlager  

Eine Stadtmauer umgrenzt die Festung und den alten Ort Lichtenau: Innerhalb dieser Stadtmauer etablierten sich zwei Marktplätze – einer an der Südmauer und einer an der Westmauer. Unter kundiger Führung bewunderten wir die umgebende Mauer- und Zwingeranlage. Die Anfänge der Märkte wurden schon im 13. Jahrhundert vermutet. Wir sahen im West-Marktplatz die Ev. Pfarrkirche sowie zweigeschossige Giebelhäuser mit zumeist Fachwerkscheunen. Neben Wohnhäusern des späten 17. Jahrhunderts mit Fachwerkobergeschossen dominieren vor allem unverputzte Sandsteinquaderbauten des mittleren und späten 18. Jahrhunderts, oft mit volutenbesetzten Giebeln z.T. noch aus der Renaissance-Zeit. Außerdem sahen wir Mansarddachgebäude des 18. Jahrhunderts, wie zum Beispiel die beiden Markttore. Diese sind Teile der Ortsbefestigung von 1734/36. An einigen Stellen ist die Pflasterung des 18. Jahrhunderts mit Kopfsteinen erhalten.

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   Festung Lichtenau, Halbtürme, enthielten Lastenaufzüge    Lichtenau, ev. Pfarrkirche, Blick von der Festung


Lichtenau ist ein seltenes Beispiel eines gut erhaltenen Festungsortes. Die bauliche Einheit von Festung und Markt wird hervorgerufen durch das Entstehen in einem Zeitraum von nur 200 Jahren, durch die enge Verzahnung beider Befestigungsanlagen, durch den gleichen Nürnberger Bautypus und durch das gleiche Material des grobkörnigen weißen Sandsteins. Beide Tore sind erhalten.
Das nächste Ziel war Herrieden.. Dort besichtigten wir zwei Kirchen. Zuerst besuchten wir die Katholische Stadtpfarrkirche St. Vitus und Deocarus.

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   Herrieden, Stadtpfarrkirche, Hochaltar    Herrieden, Stadtpfarrkirche, Kirchenpatron Deocar

782 wurde das Benediktinerkloster gegründet, der erste Abt war Deocar; 888 wurde das Kloster in ein Chorherrenstift umgewandelt und unterstand nunmehr einem Propst bzw. dem Bischof von Eichstätt. Die ersten Gebäude rund um die 1071 geweihte Stiftskirche, ließen die Chorherren errichten. Das Langhaus wurde zwischen 1502 und 1533 neu gebaut. Es ist ein wundervoller, reich geschmückter Raum mit Deckengemälden von dem Ellwanger Hofmaler Wiedemann und mit reichem Stuck von Giovanni Brilli zwischen den barocken Streben. Der Hochaltar von 1695 zeigt die Verherrlichung von St. Veit und St. Deocar. Auch zwei Elfenbeinreliefs schmücken den Altar: „Anbetung der Hl. drei Könige“ und „Anbetung der Hirten“. Dekorative Seitenkapellen sind St. Deocar geweiht ( Peter-Paul-Kapelle = südliche Seitenkapelle) und auf der nördlichen  Seite sehen wir die Blasius-Kapelle. In der Blasiuskapelle steht das Hochgrab des Hl. Deocar , das 1482 gebaut wurde. Ursprünglich war es in der Mitte der Kirche, später  in der Peter-Paul-Kapelle. Wir erfuhren, dass Deocar als dritter Stadtheiliger in Nürnberg verehrt wurde; in der Lorenzkirche wurde ihm ein Altar gewidmet. - Auch das geschnitzte Chorgestühl gefiel uns. -
Unweit der Stadtpfarrkirche steht die Frauenkirche. Von den Fundamenten einer ursprünglich1474 errichteten „Krypta“ ist nichts mehr vorhanden. Wir sehen eine Saalkirche, mit Netzgewölbe im Chor und außen einem Dachreiter von 1703. Erst barockisierter Innenschmuck, später im neugotischen Stil vervollständigt. Da sind besonders zu nennen der Hochaltar und die beiden Glasfenstern in der Apsis.

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   Herrieden, Frauenkirche    Herrieden, Frauenkirche

Letzte Station war Schillingsfürst. Am Anfang des Ortes  steht das1701 errichtete Brunnenhaus. mit Pumpanlage und Tretrad für einen Ochsen. Der Wasserturm, 1729, versorgte das Schloss Schillingsfürst mit fließendem Wasser Diese alte technische Anlage wurde vom Nürnberger Brunnenmeister Martin Löhner konstruiert; sie war bis 1947 in Betrieb. -

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  Schloss Schillingsfürst   Schillingsfürst

Weit sichtbar auf einem Bergsporn der Frankenhöhe sehen wir das Barockschloss Schillingsfürst. Bereits um das Jahr 1000 gab es eine erste Burganlage, die immer wieder zerstört und neu aufgebaut wurde. Ein reich verziertes Hofgitter lässt uns ein in den Innenhof. Über dem Giebel des Haupttraktes stehen zwei Sandsteinlöwen, die ein Wappen umschließen. Die dreigeschossige barocke Dreiflügelanlage mit tiefem Ehrenhof wurde 1705 geplant und 1750 vollendet; in diesem Zustand ist sie auch noch heute Sitz der Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst. -  .. Wir besichtigten die Wohnräume des Schlosses, an den Wänden Gemälde der Ahnen. Besonders interessant war die Besichtigung des Arbeitszimmers von Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1819–1901),  er war ein deutscher Staatsmann. Zwischen 1866 und 1870 war er bayerischer Ministerpräsident und von 1894 bis 1900 war er Reichskanzler des Deutschen Kaiserreiches und preußischer Ministerpräsident. Das Schloss ist weiterhin im Besitz der Familie.
Wir wollten eine Flugvorführung der Falknerei im Schlossgarten beobachten, allerdings ließ das der sehr starke Wind nicht zu. So folgte nach der Besichtigung des Schlosses ein gemütlicher Abschluss des Tages im Schloss-Café.

Autor: E. Mikulaschek