Arbeitgemeinschaft Kulturgeschichte

Mitglied der Freizeitgemeinschaft Siemens e.V.

Exkursion IV / 2013 – zur Besichtigung einiger Nürnberger Herrensitze im östlichen Umland

 Heroldsberg, Neunhof, Lauf a.d. Pegnitz, Henfenfeld und Ottensoos.

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Am 31 August 2013 erkundeten wir Ziele in unserer näheren Umgebung: zuerst fuhren wir nach HeroldsbergUns erwartete und führte Herr Brunel-Geuder, ein Nachkomme der Erbauer der vier Schlösser der Patrizierfamilie. Er zeigte uns auch die Silberstiftzeichnung von Albrecht Dürer, die die Heroldsberger Ortslage um 1510 eindrucksvoll zeigt. Das Ensemble der vier Schlösser (das Weiße, das Gelbe, das Grüne und das Rote Schloss) und der evangelischen Matthäus-Kirche ist fast unverändert auch heute noch zu sehen. Ältestes ist das erstmals 1471 erwähnte „Grüne Schloss“. Für die sich verzweigende Familie kamen die anderen drei Schlösser dazu. So wurde z. B. das Rote Schloss in den Jahren vor 1487 errichtet. 1591 gelangte das Rote Schloss durch Heirat an die Familie Pfinzing, wurde aber später von den Geuder wieder erworben. In den Sommermonaten veranstaltet der Kulturverein von Heroldsberg gelegentlich Konzerte im dortigen Schlosshof. –


Die evangelische Pfarrkirche St. Matthäus wurde im 12.-13. Jh. als St. Margaretha errichtet und nach und nach im 15. Jh. weiter- bzw. umgebaut. - Die Teile des Flügelaltars sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden. Im Schrein (Mittelteil) befindet sich seit 1821 ein spätgotischer Kruzifixus, der Tilman Riemenschneider zugeschrieben wird (um 1490). Grabplatten und Gedenktafeln zeigen, dass die Kirche als Grablege der Familie Geuder diente.


Weiter fuhren wir nach Neunhof (bei Lauf).  Dort besichtigten wir das Hauptschloss der Patrizierfamilie Welser unter der engagierten Führung von Fh. von Welser. 1612 wurde der Bau begonnen, 1632 brannte er ab. 1688-1695 begann der Neubau nach alten Plänen. Über der Eingangshalle befindet sich der sogen. „Weiße Saal“ mit Deckenschmuck von Donato Polli (um 1700). Das Schloss blieb unverändert. Über dem Ort liegt erhöht das sogen. Kolerschloss. Es wurde 1749 erbaut an der Stelle der zerstörten Anlage von 1552.


Nachmittags ging es weiter nach Lauf a.d.Pegnitz. Wir sahen in einem touristisch geführten Rundgang durch die Stadt zuerst das „Wenzelschloss“, das sich unmittelbar südlich der Altstadt auf einer Pegnitzinsel erhebt. Es ist eine der bedeutendsten spätmittelalterlichen Burgenbauten Deutschlands. Hier stand schon um 1200 eine Burg der Reichsministerialen von Lauf. Sie wurde Ende 1353 an Kaiser Karl lV. verkauft, der sie als weiteren Anlaufpunkt seiner „Goldenen Straße“ erneuern ließ. Im ehemaligen Kaisersaal sind 114 beschriftete Wappenreliefs der bedeutenden böhmischen Geschlechter, Territorien bzw. Städte zu bewundern. – Später wurde die Burg als Amts- und Gerichtsgebäude genutzt, in den letzten Jahren als Teil der Kunstakademie Nürnberg..
An der Schleifmühle Reichel vorbei sahen wir den Judenturm und besichtigten die ev. Pfarrkirche St. Johannis. Die ehemalige Johanniskapelle (1275) wurde erweitert und umgebaut (14. Jh. bis zum 17./18. Jh.). Interessant war der fünfgeschossige Turm mit der Zwiebelkuppel, das hölzerne Tonnengewölbe (1699), der Hochaltar (1691/92) mit Wechselgemälden und die Kanzel (1667).
Wir sahen das alte Rathaus inmitten von Giebelhäusern am Markt. Der Stadtrundgang endete am ehemaligen Spital mit Kirchenruine aus dem 14. Jahrhundert, jetzt Altenheim.


Das nächste Ziel war Henfenfeld.
1059 wurde Henfenfeld erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. und 14. Jh. war die Burg Stammsitz der „Herren von Henfenfeld“. Vom 16. bis 17. Jh. war die Burg im Besitz der Nürnberger Patrizierfamilie Pfinzing. 1553 brannte das Schloss im Markgrafenkrieg vollständig aus. In den Jahren nach 1557 wurde es - vermutlich von dem Nürnberger Baumeister Paulus Beheim - für die Familie Pfinzing wieder instand gesetzt.
Die Nikolauskirche, deren älteste Teile aus der Romanik stammen (Chor aber aus dem 13. Jh.), ist kirchenburgartig angelegt. Sie hat einen weithin sichtbaren Spitzhelm (von 1491), einen kreuzgratgewölbten Chor (von 1613) mit Rundbogenfries. Gemälde von Joh. Reich an den Doppelemporen Hier ist die Grablege der Pfinzings.


Ottensoos war unser letztes Ziel. Wir besichtigten die St. Veit-Kirche, deren Ursprünge  aus dem 13. Jh. stammen, aber im 15. Jh. erweitert und verändert wurde. Das besondere an dieser Kirche ist, dass sie vier-schiffig gebaut wurde. Eine geschnitzte St. Veits-Figur und eine weitere, umgeben von 2 Engeln, wurden 1500 geschaffen. Auch die Altäre (meist nürnbergisch) stammen aus dem 16. Jh. Sehenswert ist auch die spätgotische Kanzel.
Es war wieder eine sehr informative und gewinnbringende Exkursion bei wunderbarem Wetter.

 
 

Altes Rathaus

 

 Autor: E. Mikulaschek
Eigene Bilder