Arbeitgemeinschaft Kulturgeschichte

Mitglied der Freizeitgemeinschaft Siemens e.V.

Exkursion IV  -  29.08.2015    
von Eckersmühlen über Heideck, Schwimbach, Mindorf nach Freystadt


 Auch diese Exkursion war wieder sehr abwechslungsreich und interessant und zeigte die Kultur Frankens von den unterschiedlichsten Seiten.
 
Wir begannen mit der Besichtigung des Museums „Historischer Eisenhammer“ in Eckersmühlen.
1775 übernahm J. M. Schäff das damals verschuldete Anwesen. Als Betreiber und Eigentümer brachten es die Unternehmer und Hammerherren über 5 Generationen zu großem Wohlstand. 1974 wurde der Betrieb eingestellt: durch die Massenproduktionen in den Fabriken war die Konkurrenz zu groß, der Betrieb war nicht mehr rentabel. Fritz Schäff ist es zu verdanken, dass die Anlage betriebsbereit blieb und so 1985 in einen Museumshammer umgewandelt werden konnte.

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     Eisenhammer Eckersmühlen
Der Hammer macht aus dem glühenden Eisen einen Nagel
   Eisenhammer Eckersmühlen Unterschiedlich große Zangen, mit denen das glühende Material gehalten wude


 Wir kamen in den Genuss von Schmiedevorführungen. Zunächst sahen wir ein Video, in dem der damals bereits 80jährige Fritz Schäff ein Gartengerät schmiedete, eine intensive Arbeit in mehreren Arbeitsschritten. Es entstand ein Hacke ohne eine mögliche Bruchstelle bzw. ohne Schweißnaht. Dann konnten wir vor Ort erleben, wie aus einem Stück Eisen mit viel Hitze und Lärm ein Nagel geschmiedet wurde. Vorab wurde demonstriert, wie mit Hilfe von Wasserkraft die Turbinen in Bewegung gesetzt und von dort aus die einzelnen Hämmer mit ledernen Transmissionsriemen betrieben werden - relativ einfach, aber sehr effizient. Dass man später abgefahrene Eisenbahnräder als Rohmaterial für die Produktion von z. B. Schaufeln benutzte, kann sicher als frühes Recyceln bezeichnet werden.
Das Wohnhaus der Familie Schäff besuchten wir auch; es ist so belassen worden, wie es noch von Fritz Schäff bewohnt wurde: der stets gedeckte Tisch im Wohnzimmer - so hielt es seine Frau - gehörte dazu und das Arbeitszimmer schien gerade erst von Fritz Schäff verlassen worden zu sein.

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     Heideck, Kirche "Unserer Lieben Frau", Turm mit Choranbau    Heideck,  Kirche "Unserer Lieben Frau" Friedr. von Heideck


In Heideck erwartete uns bereits die Heimatpflegerin Frau Schultheis, die uns mit Engagement ihre Stadt zeigte. Die Gründung des Ortes geht auf die edelfreien Herren von Heideck zurück, die vor 1278 etwa 3 km südwestlich auf dem weithin sichtbaren Schlossberg eine neue Burg errichtet hatten. Burgen dienten auch zur Repräsentation, ein Grund mehr, warum sie auf Hügeln erbaut wurden. Den nachfolgenden Ausbau ihrer Herrschaft begannen sie mit der Erhebung des noch jungen Ortes zu einer Stadt, die 1288 als „nova civitas“ bezeichnet wird. Bis 1471 residierten die Herren von Heideck als Stadtherren, dann die Pfleger der Herzöge von Bayern-Landshut. Ab 1505 gehörte Heideck zum neu gegründeten Fürstentum Pfalz-Neuburg - hier schließt sich für uns der Kreis zur Exkursion II nach Neuburg/Donau. Von 1542 bis 1585 verpfändete Pfalzgraf Ottheinrich das Amt Heideck an die Reichsstadt Nürnberg.
Wir erfuhren von Ausgrabungen während der Sanierung des Marktplatzes, bei denen man neben der spätgotischen kath. Pfarrkirche „Johannes der Täufer“ Reste eines Friedhofs entdeckte. Die Idee, über diesem Areal eine Grünfläche anzulegen, wurde nicht umgesetzt. So hat man die gefundenen sterblichen Überreste gesammelt und außerhalb der Stadt erneut beigesetzt.
Es folgte eine kleine Führung durch den Ort, in deren Verlauf wir über die Unterschiede von mittelalterlichem Fachwerk und der seit ca. 1500 angewendeten Fachwerkbauweise erfuhren. Durch die Anfang des 15. Jh. entstandene Almosenstiftung wird auch heute noch das „Seelhaus“, das seit dem 14. Jh. als Spital und Armenhaus diente, betreut. Das Haus ist 1980 abgebrannt, danach wurde das Erdgeschoss wieder hergerichtet und dient auch heute noch Bedürftigen als Wohnstatt.

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   Heideck," Kirche "Unserer Lieben Frau" Wandgemälde    Heideck, Rathaus


Heideck war und ist eine Stadt des Handels und des Handwerks; Landwirtschaft wird nur in kleinen Bereichen betrieben.
Die kath. Kirche „Unserer Lieben Frau“ war unser nächstes Ziel. Sie wurde unter Verwendung älteren Mauerwerks im 14. Jh. als Marienkapelle errichtet. Friedrich II von Heideck ließ einen Chor anbauen, sie wurde am 13. August 1419 geweiht; eine gotische Anlage mit barocken Veränderungen: eingezogener, kreuzrippengewölbter Chor mit 5/8-Schluss, ein flachgedecktes Langhaus. Der Turm an der Chorsüdseite ist viergeschossig mit sechseckigem, barockem Aufsatz und Kuppel. Von Bedeutung sind die 1960  freigelegten Wandgemälde aus der Bauzeit. Eine Rarität dabei ist, dass in dem Bild des Hl. Georg mit dem Drachen neben unbekannten Kirchendarstellungen sich die älteste Darstellung eines hellen Daches befindet. Im neugotischen Hochaltar eine vorzügliche Marienfigur, um 1500. Eine Hochrelieffigur zeigt den Ritter Friedrich von Heideck als Jugendlichen; er wurde ca. 80 Jahre alt und war mit 1,80 m sehr groß. Der Strauß mit einem Hufeisen im Schnabel war die Zierde seines Helms - wobei man zur damaligen Zeit gar nicht wusste, wie ein Strauß aussieht!

Bevor wir uns auf den Weg nach Schwimbach machten, haben wir in Alfershausen zu Mittag gegessen.
Schwimbach hatte - als letzte Siedlung Nürnbergs  gegen Süden - einen eigenen Gerichtsstand mit Henker und Gefängnis; der Ort war selbstständig.
Der Ort und die ev. Pfarrkirche St. Lorenz war seit 1383 im Besitz des Hl.-Geist-Spitals von Nürnberg. Die Baudaten: Chorturm im Unterbau 13./14. Jh., das Glockengeschoss 1763, Langhaus1859.
Im Altarraum mit Flachdecke steht ein spätgotischer Flügelaltar. Im Schrein unter Sprengwerk sitzt vor graviertem Brokatteppich der hl. Laurentius, auf den Flügeln sind Reliefs aus dem Leben des Heiligen dargestellt; außen und auf den Standflügeln Gemälde von Heiligen auf blauem Grund unter goldenem Sprengwerk. Die alte Fassung - nürnbergisch - ist verhältnismäßig gut erhalten. Die Gemälde sind aus der Schule des Michael Wohlgemuth. Ob das rückwärtige Bild tatsächlich von Dürer ist, ist sehr fraglich. Vermutlich hätte dieser um 1511 das Bild bereits signiert. Im hellen Langhaus fällt die sehr schöne helle Holzdecke auf.
Die Orgel auf der Empore wurde 2013 komplett restauriert. Bis zu diesem Zeitpunkt stand sie hinter dem Altar und musste noch manuell mit Luft versorgt werden; auch die Glocken wurden bis dahin von Konfirmanden manuell betätigt.
Voller Enthusiasmus erzählte uns der Mesner, welches Hin und Her es gab, bis dieser Altar endlich in Schwimbach stand: keine Gemeinde wollte ihn haben!
Leider war es verboten zu fotografieren.

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  Mindorf, Kath. Filialkirche St. Stephan Turm   Mindorf,  Kath. Filialkirche St. Stephan Hl. Stephanus, 15. Jh


Mindorf
 war unser nächster Stopp. Hier erwartete uns Herr Ehrenfried, der uns zunächst etwas über die Geschichte des kleinen Ortes erzählte, der heute ein Stadtteil von Hilpoltstein ist. Der Name kommt evtl. von dem germanischen Sippenführer Mino, der hier gelebt haben soll. Aber auch der Minbach (= kleiner Bach) kommt als Namensgeber in Frage. Es war früher die Glaubensgrenze; Thalmässing und Eysölden sind evangelisch, Mindorf katholisch.
Der Grund unseres Besuchs dieser kleinen Stadt war die kath. Filialkirche St. Stephan, eine ehemalige Wehrkirche und bedeutendes Beispiel ländlicher Kunst. Der Turm entstand im Kern im 14. Jh., er steht südlich des Chores und hat einen originellen Mansardendachhelm. Im Untergeschoss sieht man ein Kreuzrippengewölbe und einen zugesetzten Chorbogen in der Westwand, an anderer Stelle ein Steinmetzzeichen. Chor und das neue Langhaus entstanden um etwa 1450. An der Südseite des Turms sind Zeichen vom alten Langhaus zu erkennen. Vor dem Eingang steht ein alter, schon etwas verwitterter Taufstein.

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  Mindorf, Kath. Filialkirche St. Stephan,
Sakristei, Gotische Fresken
  Mindorf, Kath. Filialkirche St. Stephan,
Sakristei, Gotische Fresken


Betritt man die Kirche, fallen gleich die spätgotischen Bretterdecken mit einer Rankenfassung (um 1487) und der Mittelpfosten mit dem Opferstock auf. Die Bänke mit originellen, lisenenförmigen Stuhlwangen sind aus dem 15. Jh.; auf der Empore steht noch älteres Gestühl.
Der Hochaltar mit Viersäulenaufbau ist aus dem späten 18. Jh. in klassizistischen Teilformen, wahrscheinlich von Joh. Adam Bittner. Der neue Altar von Rupert Fieger (2008) aus Jurakalk fügt sich gut in das Gesamtbild ein. Die Seitenaltäre sind ländlich und entstanden um 1728.
Bei Restaurierungsarbeiten vor dem 2. Weltkrieg stieß man im Untergeschoss des Turmes in der Sakristei auf eindrucksvolle gotische Fresken aus dem 14. Jh. mit Darstellungen aus dem Leben Christi.

Nach der Kaffeepause in Freystadt fuhren wir zur kath. Wallfahrtskirche Maria-Hilf nordwestlich der Stadt, auf freiem Feld gelegen.

       
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  Freystadt, Kath. Wallfahrtskirche Maria-Hilf, Kanzel   Freystadt, Kath. Wallfahrtskirche Maria-Hilf, Kanzel


Die Stadt wurde - durch Verrat - im 30jährigen Krieg eingenommen und geplündert, die Bevölkerung verarmte.
Die beiden Hirtenjungen Hans Steinmetz und Johann Popp bauten 1644 auf der Rossweide aus Lehm eine kleine Kapelle und stellten ein kleines Sammelgefäß daneben - in dem dann tatsächlich später eine kleine Münze lag. Durch diese Spenden entwickelte sich daraus ein Maria-Hilf-Heiligtum, dem jedoch Kriegswirren und ein Bauverbot ein baldiges Ende bereitete. 20 Jahre später veranlasste der Freystädter Bürgermeister Friedrich Kreiwich den Bau einer Kapelle (1664 -1667) und stattete sie mit einem Gnadenbild aus. Aus bautechnischen Gründen war bald ein Neubau nötig. 1699 beauftragte Graf Tilly den Graubündener Baumeister Giovanni Antonio Viscardi mit dem Kirchenbau. 1700 war die Grundsteinlegung, 1710 die Weihe. Seit 1681 und auch heute noch werden die Wallfahrer durch Franziskaner betreut; ihr Kloster entstand 1710 -1714.
Im Zuge der Säkularisierung sollte die Kirche 1802 abgerissen werden; Carl Ernst Freiherr von Griessenbeck konnte dies verhindern.
Im Laufe der Jahre wurde die Kirche mehrfach restauriert und erhielt Neuausstattungen; 1875 wurde sie wegen Einsturzgefahr geschlossen.
Wir hatten das Glück, dass wir die Führung durch diesen Zentralbau des bayerischen Hochbarock durch Herrn Zellner erhielten, den Pfarrer, der bei der letzten Restaurierung (1980-84) maßgeblich beteiligt war. Er wusste uns die Kirche wunderbar vorzustellen. Die Kuppel in Höhe von 12 m hat einen Durchmesser von 17 m; die vierseitige Laterne mit volutenförmigen Eckbetonungen und einer Glockenhaube, die diese Kuppel krönt, ist 6 m hoch. Er interpretierte die ausdrucksstarken Bilder des Georg Asam und seiner Söhne im Innenraum großartig, stellte Bezug zur Bibel und zum Leben her. Er machte uns auf das Fresko im Eingang aufmerksam, das die Entstehungsgeschichte darstellt. Von den ehemals 42 Fresken sind bis heute noch 32 erhalten.
Der Innenraum wird beherrscht von der lichterfüllten Kuppel, die ebenso hoch ist wie der Unterbau. Der Hochaltar mit frei schwebender Figurengruppe zeigt die Himmelfahrt Mariens (Hans Osel, 1957).

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         Freystadt, Kath. Wallfahrtskirche Maria-Hilf,
                      Vierseitige Laterne
 

Diesem Zentralbau soll 40 Jahre später die Dresdener Frauenkirche nachempfunden worden sein, nur wesentlich verfeinert -
so die Information des Pfarrers i. R.

Voll wunderbarer Eindrücke traten wir die Heimfahrt an und waren 45 Minuten später in Erlangen.