Arbeitgemeinschaft Kulturgeschichte

Mitglied der Freizeitgemeinschaft Siemens e.V.

Exkursion V / 2014 - Ausstellung "Ludwig der Bayer" sowie Renaissance in Regensburg

Hauptziel unserer 5. Exkursion war in Regensburg die Ausstellung des Hauses der bayerischen Geschichte „Ludwig der Bayer – Wir sind Kaiser“ im Historischen Museum in der ehem. Minoritenkirche. Auch wenn das Museum selbst schon viele sehenswerte Dauer-Ausstellungstücke zeigt, konzentrierten wir uns auf die genannte Sonderausstellung. Zuerst besuchten wir jedoch den ersten von 3 Ausstellungsorten, das Diözesanmuseum St. Ulrich, wo wir den informativen Film: „Regensburg in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, Stadt und Dom in den Jahren 1300-1350“ ansahen. Er zeigt in humoriger Weise einen guten Überblick über die Konflikte zwischen Klerus, Adel und Stadt in dieser Zeit und führte in die Baugeschichte des Domes ein. Im zweiten Ausstellungsort „Kreuzgang am Dom“ genossen wir die Stille des Ortes, die herrlichen Epitaphien und die Allerheiligenkapelle mit ihrer romanischen Ausmalung. Auch die Kirche St: Stephan mit ihrem mächtigen Altar-Kalksteinblock war zugänglich.

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   Kreuzgang am Dom   St. Stephan  Madonna  

Am Hauptausstellungsort in der Minoritenkirche wurden wir geführt. Die „Bayerische Landesausstellung 2014 „Ludwig, der Bayer – Wir sind Kaiser“ zeigte in vier großen Blöcken die Entwicklung Ludwigs zum Kaiser sowie seine Tätigkeitsschwerpunkte. Das 700-jährige Jubiläum der Königswahl Ludwigs des Bayern im Jahr 1314 ist der Anlass zu der Landesausstellung in Regensburg.
Wir hörten vom Leben Ludwigs – von seiner Kindheit und weiterem Werdegang bis hin zum Kaiser, von der Doppelherrschaft mit seinem Bruder Rudolf I., von der Ausdehnung seines Einflussbereichs bis zur Schlacht von Gammelsdorf, wo er seinen Vetter Friedrich von Habsburg besiegte, dann von seiner Wahl zum deutschen König und dem Doppelkönigtum mit Friedrich, von der Schlacht bei Mühldorf, von seinen Auseinandersetzungen mit dem Stuhl Petri und seiner Exkommunikation und letzlich von seiner Hausmachtpolitik und der Ordnung seiner bayerischen Besitztümer.
Ludwig IV. (1282 od. 1286 – 1347), genannt „der Bayer“ aus dem Hause Wittelsbach war erst deutsch-römischer König (ab 1314) und danach der erste Wittelsbacher Kaiser im Heiligen Römischen Reich (ab 1328). Er ist bekannt als standhafter Kämpfer gegen päpstliche Machtansprüche, gegen die Päpste, die ihn abfällig „Ludovicus Bavarus“ titulierten und die Herrschaft als Kaiser über das Reich absprachen. Der Wittelsbacher blieb bis zu seinem Tod im Kirchenbann. Seine Herrschaft endete 1346 durch die Wahl Karls IV. zum Gegenkönig.

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  Die meisten Ausstellungsstücke zeigten die Dokumente aus der Zeit seines Lebens.
Da wir uns in diesem Jahr intensiver mit der Renaissance beschäftigen, versuchten wir in einem weiteren Teil der Exkursion, Spuren davon in Regensburg aufzuspüren. Aufgrund der wirtschaftlichen Geschichte Regensburgs sind jedoch nur  wenige Renaissance-Spuren zu finden.

Wir sahen im Dom ein Kenotaph (Scheingrab) für den Regensburger Bischof Kardinal Philipp Wilhelm, Herzog von Bayern. Er lebte 1579 -1598.

Ein weiteres Zeugnis der Renaissance ist das Giebelhaus  mit Erker in der Goldenen Bärenstraße 10, jetzt ein Gasthaus „Zum Goldenen Posthorn“ mit einem prächtigen schmiedeeisernen Ausleger von 1713.

In der Goliathstr. 4 steht das sog. Goliathhaus. Mächtiges Patrizieranwesen über der Nordmauer des Römerkastells errichtet, vielfach umgebaut. - 1573 erstmals Bezeichnung "Zum Goliath", wohl aufgrund des Melchior Bocksberger zugeschriebenen Freskos auf der Nordseite.

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  Kenotaph (Ausschnitt) für Philipp Wilhelm von Wittelsbach   Goliathaus

 Thon-Dittmer-Palais (Haidplatz 8). Vierflügelanlage. Den weiten Hof begrenzen nach zwei Seiten dreigeschossige Säulenarkaden in Formen der Renaissance (Westseite Original aus 16. Jh.). Im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Sanierungen, seitdem fälschlicher Eindruck eines einheitlichen Renaissancehofes, den es so nie gegeben haben kann, da das Areal früher in Parzellen mit unterschiedlichen Eigentümern aufgeteilt war.

Brunnen am Fischmarkt, 1551 vom Rat der Stadt errichtet. An der Nordseite Vierkantsteinpfeiler mit korinthischem Kapitell. Darauf Figur eines Geharnischten mit Fisch und Stadtwappen, der Fuß auf einen Delphin gestützt. Das rautenförmige Eisengitter vielleicht von der Erneuerung 1590.

Untere Bachgasse 12/14, sog. Lerchenfelder Hof. Mehrflügelanlage aus gotischem Giebelhaus ( 14. Jh., barock umgebaut) und spätgotischem Dreiflügelbau (1. Hälfte 15. Jh.) in Ecklage zur Gesandtenstraße. Renaissance-Hof mit dreiseitig korbbogigen Pfeilerarkaden, nach Westen und Norden Galerien mit Brüstungen.

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  Thon-Dittmer-Palais    Brunnen am Fischmarkt    Lerchenfelder Hof


Rote Hahnengasse 2, ehem. Gasthaus "Zum Goldenen Ritter". Drei gestaffelte Bauteile, im Kern romanisch, im 14•Jh. umgebaut, im 15. Jh. erweitert. In der Renaissance, wohl 1544, Fassade verändert: die Westseite des Hofes wurde durch Arkadeneinbau bereichert: in drei Geschossen Renaissance-Arkaden. (kein Foto)
Wahlenstraße 16, Goldener Turm. Vierflügelanlage mit Turm, bis zur Unteren Bachgasse (Haus Nr. 7). Eine in das 12.Jh. zurückreichende, allmählich gewachsene Hofanlage über der römischen Stadtmauer. - In der Renaissance (um 1600) teilweiser Ausbau des westlichen Flügels zur Unteren Bachgasse. Gleichzeitig im Innenhof Einbau von Renaissance-Arkaden. Die geschnitzte Bohlenbalkendecke eines Saales und Teile von Holzständerwerk (von ehemals drei Bohlenstuben) sichtbar einbezogen in den Ausbau für Studentenwohnungen. - Im nordwestlichen Eckzimmer, dem romanischen Steinhaus, Renaissancemalerei von 1556, architektonische Wanddekoration.
Neupfarrkirche (Neupfarrplatz, südwestl. vom Dom). Am Platz der abgebrochenen Synagoge sollte sich die Wallfahrtskirche „.Zur schönen Maria“ erheben. 1519 wurde der Grundstein gelegt zur Neupfarrkirche. Das 1-schiffige Innenraum der Kirche vermengt renaissancehaftes Raumempfinden mit Elementen aus der nachlebenden Gotik (kein Foto). Ein Modell der ursprünglich geplanten Renaissancekirche steht im Städt. Museum (Minoritenkirche).

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  Wahlenstraße 8,9,10    Wahlenstr. 16     Goldener Turm

 Autor: E. Mikulaschek / E. Schmid
  Eigene Bilder (E. Mikulaschek und U. Killisch)